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Aluminium rationalisiert veredeln

ERP-System deckt alle branchenspezifischen Abläufe ab

Erschienen in der MO 06/2011

Bei der König Metallveredelung GmbH in Lauchringen beschleunigt  das Zusammenspiel von ERP-Software, rationell arbeitenden Fertigungsanlagen und einem effizienten Lagersystem alle Unternehmensprozesse.

Für den Aluminiumveredler König war es klar, dass Automatisierungsbemühungen nur dann ihre  volle Wirkung entfalten können, wenn alle Unternehmensbereiche mit in den Optimierungsprozess eingebunden sind. Zudem wollte man alle Abläufe mit Hilfe einer bereichsübergreifenden Software abbilden und steuern.

Nach einem Auswahlverfahren hat sich König für die ERP-Standardsoftware Omnitec der Softec AG für oberflächenveredelnde Unternehmen entschieden. Sie deckt die Branchen Galvanik, Pulverbeschichtung, Lackierung, Eloxal sowie Härterei ab. Neben der Auftragsabwicklung gibt es Module für Fertigungsplanung, Qualitätssicherung und Betriebsdatenerfassung, die individuell zusammenstellbar sind. Schnittstellen zu anderen unternehmensinternen Systemen wie  Finanzbuchhaltung, EDI (Electronic Data Interchange) oder  Anlagensteuerungen werden in Zusammenarbeit mit Partnern geschaffen.

Auch bei König geht ein Teil der Bestellungen per EDI ein. Das ERP-System Omnitec verarbeitet die Bestelldaten, kontrolliert sie und legt Aufträge an. Eine Auftragsbestätigung wird automatisch per E-Mail an den Kunden gesendet. Anschließend wird der neue Auftrag  gemäß dem vorgegebenen Fertigstellungstermin eingeplant. Mit Hilfe der im ERP-System integrierten Fertigungsplanung lässt sich die vorhandene Anlagenkapazität so nutzen, dass gleichartige Aufträge (Vorbehandlung, Verfahren, Farbe) zu Produktionseinheiten zusammengefasst werden. Die Anzahl der zeitaufwändigen Farbwechsel wird so reduziert.

Das ERP-System erzeugt für die eingeplanten Aufträge automatisch die Betriebsaufträge mit Pulvermenge, Flächen und Artikelskizzen und außerdem die Pulverbedarfsliste. Da die Fläche der Aufträge bereits bei der Preisfindung berechnet wurde, kann das ERP-System über farb- und artikelgruppenspezifische Faktoren auch den Pulverbedarf bestimmen. Für die Entnahme aus dem Pulverlager wird der Bedarf für den geplanten Tag summiert und auf einer Pulverbedarfsliste ausgedruckt. Außerdem erstellt das ERP System eine Materialbedarfsliste und Richtkarten für die Bereitstellung von Rohware und Pulver.

ERP-System steuert Lager und Veredelung

Nach der Fertigungsplanung folgt die Arbeitsvorbereitung. Aus den über das ERP-System erzeugten Produktionspapieren ist ersichtlich, welche Materialien für die Fertigung benötigt werden. Der Mitarbeiter im Pulverlager scannt von der Pulverbedarfsliste die Barcodes der Farbpositionen. Dem ERP-System ist bekannt, wo die benötigten Pulverbehälter im Lager stehen. Es meldet Bedarf und Lagerort an das automatische Pulverlager. Das benötigte Pulver wird daraufhin zur Entladestation gefahren, wo es zur Entnahme für die Pulveranlage bereitsteht.

Durch die automatische Bedarfsberechnung entstehen zwangsläufig „ungerade“ Entnahmemengen, die in die Gebindeanzahl umgerechnet und in der Planung angezeigt werden. Da in der Regel mehr entnommen als rechnerisch benötigt wird, zeigt die Software an, wieviel Pulver für zusätzliche Eilaufträge an der Anlage bereitsteht. Am Tagesende wird nicht verbrauchtes Pulver gewogen und in den Lagerbestand zurück geführt. Die Waage ist ebenfalls über eine Schnittstelle in das ERP-System integriert. Es verwaltet auch die zu beschichtenden Aluminiumprofile: Wenn es sich um lagerhaltige Kundenprofile handelt, stehen auf der Richtkarte die benötigten Mengen und alle Lagerplätze mit Mengenangaben.

Bei König wird die gewünschte Oberfläche per Pulverbeschichtung oder im Eloxalbad oder mit einer Kombination beider Verfahren erzeugt. In der Pulverbeschichtung werden in zwei Automatikkabinen Fertigungslose ab 50 Quadratmeter Beschichtungsfläche veredelt. Beim Aufhängen der Rohteile an Schienen wird ein Barcode vom Betriebsauftrag gescannt und die Stückzahl eingegeben. Die Schienenbehängung wird an die Steuerungs-Software der Pulveranlage übermittel. Die zum Auftrag gehörenden Vorbehandlungsparameter wurden bereits von der Arbeitsvorbereitung in die Fertigungsplanung eingegeben.

Nach dem Durchlauf durch die Pulverkabine werden die Daten zurückgemeldet. Damit kann die Auftragsabwicklung jederzeit Auskunft über den Fertigungsstand der Ware geben – auch gegenüber dem Kunden. Für Teile, die eloxiert werden sollen, ist der organisatorische Ablauf nahezu identisch. Die Reservierung und Bereitstellung des Pulvers entfällt.

Versandfreigabe erst nach einer Qualitätsprüfung

Am Ende der Beschichtung werden die fertigen Teile mit Hilfe eines mobilen Messgerätes geprüft. Ermittelte QS-Daten wie Glanzgrad, Schichtdicke und eventuelle Fehler werden im BDE-Modul des ERP-Systems eingegeben und stehen der Auftragsabwicklung für die Auslieferung und Fakturierung zur Verfügung.  Ähnlich ist der organisatorische Ablauf im Eloxalbereich, allerdings werden hier über das BDE System Badparameter zurück gemeldet. Nach den Qualitätsprüfungen werden zum Liefertermin die Versandpapiere erstellt.
Ging die Bestellung per EDI ein, gelangen Lieferschein und Rechnung auf gleichem Weg zum Kunden. Alternativ kann die Aussendung der Ausgangspapiere zeitversetzt per E-Mail erfolgen.

Zum Teil verpackt König Aufträge gleich nach dem Entnehmen aus der Veredelungsanlage und der QS-Prüfung. Ware und Verpackung werden im BDE-System erfasst und automatisch Auslieferungsetiketten ausgegeben. Alternativ verpackt König die Waren im Versand, wo die Mitarbeiter für Datenerfassung und Etikettendruck zuständig sind. Die Auslieferungstouren werden nach einem zeit- und ressourcensparenden Tourenschema zusammengestellt.

Alle mit der ERP-Software kalkulierten Preise stehen für interne Auswertungen bereit, wobei individuelle Listen zusammenstellbar sind. Eine Tagesauswertung beispielsweise liefert jeweils mit dem Schienendurchsatz der Anlage, der beschichteten Gesamtfläche sowie geplanten und geleisteten Personalstunden wichtige Informationen. Weitere Auswertungen enthalten Daten für eine ergebnisorientierte Nachkalkulation.

Bei König sind durch den höheren Automatisierungsgrad und mit Hilfe der ERP-Software die Durchlaufzeiten für Aufträge gesunken. Die Produktivität ist bei gleichbleibend hoher Qualität deutlich gestiegen.